Pre Season Screening

Im Fußball läuft sie schon, in anderen Ballsportarten steht sie vor der Tür: Die Saisonvorbereitung. Und  hier steht zu Beginn bei den meisten Teams ein Athleten-Screening an. Dabei werden die Sportler*innen im athletischen, medizinischen und physiotherapeutischen Bereich untersucht und gecheckt, um den aktuellen Fitnessstand, aber auch mögliche Risikofaktoren für Verletzungen und andere medizinische Probleme festzustellen. Schließlich sollen alle Athelt*innen fit und gesund in die Saison starten. Meine Aufgabe als Physiotherapeut ist es hierbei, vor allem die Risikofaktoren für Verletzungen festzustellen. In diesem Artikel möchte ich mit euch ein paar Gedanken und Überlegungen dazu teilen, die in die Erstellung eines Pre-Season-Screenings einfließen sollten.

  1. Wir können nicht hellsehen! Das klingt natürlich erstmal logisch und ist irgendwie ja auch jedem klar. Deswegen bedienen wir uns ja auch vieler Testbatterien und Untersuchungen, um ein Verletzungsrisiko bestimmen zu können. Doch leider hat sich gezeigt, dass kaum eines dieser Tools die Fähigkeit besitzt, zuverlässig eine Verletzung vorherzusagen. Als Beispiel möchte ich hier kurz den Functional Movement Screen (FMS) nennen, eine Batterie aus funktionellen Bewegungstests, die vom Untersuchenden bewertet werden und abschließend einen Score ergeben, der Aufschluss über ein mögliches Verletzungsrisiko geben soll. Leider hält der FMS hier nicht was er verspricht. Mehrere Studien und Reviews legen nahe, dass er nicht dazu geeignet ist zukünftige Verletzungen sicher vorauszusagen. Wie so oft gilt auch bei der Zusammenstellung der Tests für unser Screening, dass man sicherstellen muss, dass die Ergebnisse auch belastbar sind und die Fragen beantworten, die wir beantwortet haben möchten.
  • Wir können die Vergangenheit betrachten! „Eine vorherige Verletzung ist der größte prognostischste Faktor für eine zukünftige Verletzung.“ Ich denke nahezu alle Personen, die im Sport mit Athlet*innen arbeiten, haben diesen Satz in irgendeiner Variante schon mal gehört. Und das ist auch gut so, denn es gibt wenige Dinge, die unseren Fokus in der Planung und Durchführung von präventiven Maßnahmen mehr beeinflussen sollten. Und da wir in einem Pre-Season-Screening nach genau solchen Dingen suchen, gehört unbedingt ein ausführliches Gespräch über die Verletzungshistorie dazu. Meiner Meinung nach macht es nur Sinn die Ergebnisse unseres Screenings im Kontext von Informationen aus diesem Gespräch zu betrachten. Alleinstehend machen die meisten Messergebnisse nicht sonderlich viel her und führen dazu, dass Risiken gesehen werden, wo sie oft gar nicht sind. In Kombination können Screening und Informationen über die Verletzungshistorie aber sehr hilfreich sein, um unseren Job einfacher zu machen.
  • Zeit ist wertvoll! Damit meine ich schlicht und ergreifend, dass niemandem damit geholfen ist, wenn wir keinen guten Plan haben. Aus meiner Sicht sollte es kein Test in ein Screening schaffen, der nicht einen spezifischen Zweck erfüllt. Ich persönlich versuche möglichst nichts zu messen, nur weil ich es messen kann. Grob gesagt gibt es für mich zwei Kategorien, in die ich einen Test einordnen können muss, damit sie für das Screening in Frage kommen. Entweder geben sie mir Informationen über ein bestehendes Problem (z.B. eine Verletzung aus der vorherigen Saison) und können mir helfen einzuschätzen, ob dieses vollständig rehabilitiert wurde oder sie dienen als Baseline-Informationen, die ich heranziehen kann, wenn sich eine Athlet*in zu einem späteren Zeitpunkt verletzt. 

(Hier muss man sich ein wenig einschränken, denn natürlich kann man sich nicht auf jedes Szenario vorbereiten. Beispielsweise gibt einem der VBG-Sportreport Informationen darüber, welche Verletzungen für das eigene Setting wahrscheinlicher sind. Damit hat man eine Grundlage an der man sich bei der Auswahl der Baseline-Tests orientieren kann und welche Bereiche man abdecken möchte.) 

Tests, die ich nicht in eine der beiden Kategorien einordnen kann, haben es schwer in mein Testbatterie zu schaffen. Denn die Zeit für ein Screening ist immer knapp und will effizient genutzt werden. 

Hoffentlich helfen euch die drei Überlegungen, wenn ihr unsicher seid, ob ihr einen bestimmten Test durchführen sollt oder lieber nicht. Falls ihr Fragen zum Thema „Pre-Season-Screening“ habt oder anderer Meinung seid, schreibt mir gerne eine Mail an stefan@rethinkblog.de

Literatur:

Warren et al 2018 Utility of FMS to understand injury incidence in sports- current perspectives

Toohey et al. 2017 Is subsequent lower limb injury associated with previous injury?

Tee et al. 2019 Sports Injury Prevention is Complex- We Need to Invest in Better Processes, Not Singular Solutions

Schweda et al. 2021 The Functional Movement Screen as an injury prediction tool for German physical education and exercise science students- a prospective cohort-study

Hägglund et al. 2006 Previous injury as a risk factor for injury in elite football

Fulton et al 2014 Injury risk is altered by previous injury: A systematic review of the literature and presentation of causative neuromuscular factors

Klein et al. 2022 VBG-Sportreport 2021 – Analyse des Verletzungsgeschehens in den zwei höchsten Ligen der Männer: Basketball, Eishockey, Fußball, Handball.

English Version:

Pre-season screening

It’s already underway in soccer, and it’s just around the corner in other ball sports: pre-season preparation. And this is where most teams start with an athlete screening. Athletes are examined and checked in performance, medical and physiotherapeutic areas to determine their current fitness level, as well for possible risk factors for injuries and other medical problems. After all, all athletes should start the season fit and healthy. My job as a physiotherapist is to determine the risk factors for injuries. In this article, I would like to share with you a few thoughts and considerations that should go into creating a pre-season screening.

  • We cannot force the future! Of course, this sounds logical at first and is somehow clear to everyone. That’s why we use many test batteries and examinations to determine the risk of injury. But unfortunately, it has been shown that hardly any of these tools can reliably predict an injury. As an example, I would like to briefly mention the Functional Movement Screen (FMS). This is a battery of functional movement tests that are evaluated by the examiner and finally result in a score that is supposed to provide information about a possible risk of injury. Unfortunately, the FMS does not live up to its promise here. Several studies and reviews suggest that it is not suitable for reliably predicting future injuries. As it is often the case when putting together tests for our screening, it is important to make sure that the results are robust and answer the questions we want answered.
  • We can look at the past! „A previous injury is the biggest predictive factor of a future injury.“ I think almost all people who work with athletes* in sports have heard this phrase in some variation. And that’s a good thing because there are few things that should influence our focus more in the planning and execution of preventative measures. And since we’re looking for just those things in a pre-season screening, an in-depth conversation about injury history is absolutely part of the process. In my opinion, it only makes sense to look at the results of our screening in the context of information from that conversation. On their own, most screening results don’t do very much and lead to seeing risks where they often are not. However, in combination, screening and injury history can be very helpful in making our job easier.
  • Time is valuable! By this, I simply mean that no one is helped by not having a good plan. From my perspective, no test should make it into a screening that does not serve a specific purpose. Personally, I try not to measure anything just because I can measure it. Roughly speaking, there are two categories for me that I need to be able to put a test into for them to be considered for screening. Either they provide me information about an existing problem (e.g., an injury from the previous season) and can help me assess whether it has been fully rehabilitated, or they serve as baseline information that I can refer to if an athlete gets injured at a later date.

(This is where you have to limit yourself a bit because, of course, you can’t prepare for every scenario. For example, the VBG sports report provides you information about which injuries are more likely for your setting. This gives you a baseline to guide your baseline test selection and what areas you want to cover).

Tests that I can’t fit into either category have a hard time getting it into my test battery. After all, time for screening is always short and wants to be used efficiently.

Hopefully, these three considerations will help you if you are unsure whether you should do a particular test. If you require any further assistance about pre-season screening or even disagree, feel free to drop me an email at stefan@rethinkblog.de.